20.5.: Sonnenfinsternis am Shiprock

aztec1Eigentlich hatte ich für heute nochmals einen Ausflug in die Bisti Badlands geplant, aber im Prinzip habe ich gestern alles gesehen, und mir steht der Sinn nach Abwechslung. Heute Abend werde ich zum Shiprock fahren, aber der Tag steht, wie es in den Prospekten von Pauschalreisen so schön heißt, zur freien Verfügung. Beim Frühstück beschließe ich, mir die nahegelegenen Aztec Ruins anzusehen, und kurz nach 9 stehe ich auf dem Parkplatz des National Monuments. Es herrscht tiefe Ruhe, und außer mir ist nur eine junge Frau mit Rucksack vor Ort. Ich denke schon ans umkehren, rüttle aber dennoch kurz an der Tür des offensichtlich geschlossenen Visitor Centers. Sie gibt nach. Nichts ist hier geschlossen; lediglich der Besucherandrang hält sich in sehr engen Grenzen, vor allem früh am Morgen. Mir soll es Recht sein, und ich verbringe eine sehr ruhige Stunde im Monument. Vor allem die (nachgebaute) Great Kiva hat es mir angetan – eine Kathedrale ohne all den Pomp und ein Ort der absoluten Ruhe, wenn man das Glück hat, dort alleine zu sein, und den Verstand, die per Knopfdruck verfügbaren indianischen Melodien nicht abzurufen. Ich muss es nach ein paar Minuten natürlich trotzdem ausprobieren, aber selbst die Hintergrundmusik kann den eigenen Zauber dieses Ortes nicht zerstören. Im Gegenteil, irgendwie wirkt es sogar passend – hier hat offensichtlich jemand ein Gespür gehabt.

aztec2Ich vollende meine Runde, und als ich kurz auf einer Bank Platz nehme, auf der man den gesamten, recht kleinen, Park übersehen kann, setzt sich ein Ranger zu mir. Er ist relativ neu hier, hat vorher in den großen National Parks gearbeitet, und erzählt mir ein wenig über seine Arbeit und die seiner Kollegen. Er berichtet stolz über die steigenden Besucherzahlen der Aztec Ruins, aber dann stellt sich heraus, dass er sich vor allem hierher hat versetzen lassen, um den Massen zu entgehen. Und dieses Ziel wird er hier noch für lange Zeit erreichen.

navajolakeDer Tag ist noch jung, ich habe nichts geplant, und so entschließe ich mich, den relativ nahe gelegenen Apache Lake State Park zu besuchen. Dieser Park ist im Wesentlichen ein großer Stausee, der aber im Gegensatz zum Lake Powell oder Lake Mead in den Bergen liegt und bewaldete Ufer besitzt statt öder Wüsten. Die Fahrt geht über kleine Nebenstraßen; nur ab und zu sehe ich einen Pickup mit Bootsanhänger oder -auflieger. Schon lange vor dem Navajo Dam treffe ich auf den San Juan River, der hier ein sehr populäres Anglergebiet ist und schon zum State Park gehört. Die Straße führt an einer Vielzahl von Campingplätzen vorbei, bevor sie sich zum eher unattraktiven Navajo Dam aufschwingt, dem der Navajo Lake seine Existenz verdankt. Kurz danach erreiche ich mehrere Viewpoints, die einen weiten Blick über diesen künstlichen See ermöglichen. Er ist ebenso verzweigt wie die bekannten Stauseen in Arizona, aber doch völlig anders. Dichte Wälder an den Ufern wird man weder am Lake Powell noch am Lake Mead finden; hier profitiert der Navajo Lake von seiner höheren Lage. Und obwohl er weit weg ist von jeder Großstadt, ist er ganz offensichtlich sehr populär – hunderte von Hausbooten ankern in der nahen Marina und warten auf ihre Besitzer.

eclipse1Ich fahre gemütlich zurück nach Farmington und nach einer kleinen Pause weiter zum Shiprock, an dem ich die heutige, partielle Sonnenfinsternis verfolgen will. Schon jetzt weiß ich, dass ich dort einige flüchtige Bekannte wiedertreffen werde – Fotografen, die ich gestern in den Bisti Badlands getroffen habe und die heute doch lieber zum Shiprock fahren wollten. Vom Städtchen Shiprock aus fahre ich den Highway 491 nach Süden bis zur Abzweigung des Red Rock Highway, der im weiteren Verlauf zum Canyon de Chelly führt. Schon an dieser Abzweigung haben einige ihre Stative aufgebaut, aber mir ist das doch noch zu weit weg. Ich fahre noch 2 Meilen auf dem Red Rock Highway Richtung Westen, bis ich schließlich auf etwa ein Dutzend Fahrzeuge treffe, die hier am Straßenrand bzw. im Straßengraben geparkt sind. This ist the place, und hier treffe ich auch meine neuen Freunde von gestern wieder. Gemeinsam erwarten und erleben wir die partielle Sonnenfinsternis, und wieder mal komme ich mir als Amateur zwischen all den Profifotografen ziemlich verloren vor. Schließlich bringe ich ein halbwegs brauchbares Foto eines Sonnenuntergangs mit nach Hause, während andere mir beneidenswerte Aufnahmen zeigen, die ich mit eclipse2Photoshop nicht zustande gebracht hätte, sie aber allein mit ihrer Kamera. Naja, ich bleibe dabei – mir ist das Sehen wichtiger als das Aufnehmen. Aber ein bisschen neidisch bin ich schon.

Eine Stunde nach Sonnenuntergang trennen wir uns – die einen fahren noch zum Canyon de Chelly, die anderen müssen morgen früh einen Flug in Albuquerque erreichen. Ich fahre zurück nach Farmington, das ich gegen 21 Uhr erreiche. Um diese Zeit habe ich sonntags die Wahl zwischen verschiedenen Fast Food Ketten, alles andere ist zu. Ich glaube, das ist mein erstes Dinner bei Burger King, und ich weiß mit ziemlicher Sicherheit, dass es mein letztes ist.